Nach 21 Tagen regelmäßiger Ausübung gilt eine Tätigkeit als Gewohnheit, nach 90 Tagen dann als dauerhaft in den eigenen Lebensstil integriert, habe ich mal gelesen. Der 10. Januar gilt bereits als der Tag, an dem sämtliche unglücklich gewählten Neujahrsvorsätze aufgegeben werden und heißt dementsprechend auch: »Quitter’s Day«.
Wenn du es mit deinen Schreibplänen also bis hierher geschafft hast: Herzlichen Glückwunsch! Wenn nicht, ist das aber auch nicht schlimm. Denn das Jahr hat gerade erst angefangen und wer sagt denn, dass nur am 1. Januar Neues angefangen werden darf? Das kannst du auch heute. Oder am 1. März. Oder – und das höre ich dieser Tage oft: am 22. März. Das ist die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche, ab dann ist es wieder länger hell als dunkel. Warum also erst dann ins neue Jahr starten, wenn die Natur es auch tut?
Januar und Februar sind ohnehin schwere Monate, die sich in die Länge ziehen und belastet sind von Vorsätzen, die dann doch nicht so klappen, wie man sich das wünscht. Stattdessen sollten auch wir »Überwintern«, Winterschlaf halten. Und eben nicht zu viel von uns verlangen. Lieber kleine Gewohnheiten in den Alltag integrieren, als gleich die große Veränderung zu schaffen und in 90 Tagen unrecognizable zu werden.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass kleine Veränderungen auf lange Sicht viel mehr bewirken und nachhaltiger sind, als eine große Änderung. Und so ist es auch beim Schreiben. »Jeden Tag ein bisschen« schlägt »ab und zu mal richtig viel«. Denn mit dem »jeden Tag ein bisschen« lernt das Gehirn. Und ja, wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn etwas gut funktioniert, merkt unser Kopf sich das und mit jedem Mal fällt es leichter, wieder zu beginnen. Die Hemmschwelle, etwas auf später zu verschieben, wird heruntergesetzt.
Wie lässt sich tägliches Schreiben also etablieren, wenn einem nicht gerade eiserner Willen in die Wiege gelegt wurde? Meine beliebtesten Ansätze will ich euch hier mitteilen:
- Kalendereintragungen: Ein Kreuz für jeden Tag, an dem du zumindest ein bisschen geschrieben hast (das Dokument öffnen und anstarren zählt auch!) – allein dieses unbefriedigende Gefühl, abends kein Kreuzchen machen zu können, hilft schon, bei der Stange zu bleiben
- Gleichgesinnte suchen: Schreiben in Schreibgruppen mit gegenseitigem Austausch hilft gegen das Gefühl, mit dem eigenen Tun allein zu sein – und bei Schreibblockaden wissen die anderen sofort, wie man sich fühlt
- Hilfe annehmen: Manchmal braucht es den Stups von außen, eine Deadline oder gleich mehrere – sprich mich gerne an und wir schauen, ob dir eine Schreibbegleitung helfen kann, dieses Mal dranzubleiben. Vielleicht hilft es auch, ein Lektorat bereits gebucht zu haben und damit eine Deadline zu schaffen.
Und, kribbelt es schon in den Fingern? Dann nichts wie ran ans Manuskript!
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