Taucht man tiefer in die Buchbranche ein, überrollen einen die Statistiken förmlich: 60.230 Neuerscheinungen gab es allein im Jahr 2023, nur rund 6 Prozent der 75.000 freiberuflichen Autor:innen in Deutschland verdienen 30.000 Euro oder mehr pro Jahr, Social Media – und allem voran TikTok, also #BookTok – scheint für erfolgreiches Veröffentlichen unabdingbar. Unter einem geschlossenen Pseudonym im stillen Kämmerlein vor sich hin schreiben? Fehlanzeige. Selbst Verlagsautor:innen sollten sich inzwischen vor die Kamera trauen und die eigenen Bücher bewerben, bewerben, bewerben. Wer das nicht tut, dessen Geschichte geht eben in der Menge der jährlich neu erscheinenden Titel unter.
Noch dazu soll man zwischen all dem Marketing irgendwie Zeit finden, möglichst die Geschichten zu schreiben, die sich dann auch noch gut verkaufen.
Der Buchmarkt frustriert. Weil er genau das ist: ein Markt. Mit dem Schreiben Geld verdienen zu wollen, ist ein hehres
Ziel – aber nicht unbedingt realistisch. Dazu braucht es ein dickes Fell, Ausdauer und Durchhaltevermögen.
Hä, soll das hier nicht Schreibmotivation sein? Ja. Und die kommt jetzt!
Denn so frustrierend all diese Zahlen sein können, so sehr können sie auch befreien. Denn was bleibt, wenn man den monetären Aspekt mal aus der Gleichung rausnimmt? Richtig: die Liebe zum Schreiben, zum Erzählen von Geschichten. Natürlich möchte man ein möglichst großes Publikum erreichen, möglichst viele Menschen ansprechen.
Ja, der Markt kann ziemlich bescheiden sein. Aber eure Geschichten bewirken etwas bei den Menschen, die sie lesen. Eure Geschichten können sogar Leben retten und anderen dabei helfen, sich endlich gesehen zu fühlen (deshalb ist Repräsentanz von Diversität übrigens auch so wichtig).
Klar kann man versuchen, nach dem Markt zu schreiben. Aber sind das dann wirklich die Geschichten, die aus dem Grund eurer Seele rauswollen? Sind das die Geschichten, für die ihr brennt? Genau deshalb ist es so wichtig, sich eben nicht zu verstellen und eben nicht zu verbiegen – weder für Trends noch für Algorithmen.
Ja, der Druck ist real. Ja, die Sichtbarkeit scheint oft an Lautstärke gekoppelt, an Reichweite, an Klickzahlen. Aber Schreiben war schon immer und ist ein Akt der Selbstbehauptung.
Wer schreibt, macht sich verletzlich. Lässt Menschen in sein Innerstes schauen. Und genau deshalb ist Schreiben so wertvoll. Weil es nicht beliebig ist. Weil es echt ist.
Eure Worte müssen nicht hunderttausend Menschen erreichen, um wichtig zu sein. Wenn sie auch nur einem Menschen Halt geben, Trost spenden, Mut machen – dann haben sie mehr erreicht, als irgendein Algorithmus je zählen kann.
Verlagsvertrag, Bestsellerliste, vom Schreiben leben können – davon dürft ihr natürlich träumen. Aber euer Wert hängt nicht daran. Und die Qualität eurer Texte auch nicht.
Also: Schreibt weiter. Schreibt das, was ihr gebraucht hättest, als ihr jünger wart.
Schreiben ist mehr als eine Marktleistung. Euer Schreiben ist kein Produkt. Es ist ein Beitrag. Und der zählt. Immer.

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